Holakratie-EinErfahrungs-bericht

13.Januar 2021

Blog

Zorn. Furcht. Aggressivität. Die Dunklen Seiten der Macht sind sie. Besitz ergreifen sie leicht von dir.

Nach meinem letzten Beitrag zur Holokratie (oder auch Holokratie) und zu Erfahrungen damit bekam ich eine PN mit der Frage, ob ich Lust zu einem Zoom zu dem Thema hätte. Mein Gegenüber, ein guter alter Bekannter, hatte damit Erfahrungen bei seinem alten Arbeitgeber gemacht. Und er wollte sie mit mir teilen, jedoch nicht öffentlich darüber reden.

Somit erzähle ich jetzt davon.

Erstmal: Holokratie kann wirklich die gewünschten Effekte haben. Effektive Meetings, eine Kultur der Selbst-Bestimmtheit und -Verantwortung, klare Zuständigkeiten und Entscheidungsfreiheit für eben diese.

Großartig, genau das, was ich mir vorstelle für mein Team!

Es gibt aber auch die Dunkle Seite. Die, bei der aus Effektivität einsame Inseln werden und aus klarer Verantwortung Aggressivität gegenüber den anderen, die ihrer vermeintlich nicht nachkommen.

Aus einem Team wird so ein Haufen von Eigenbrötlern, eingekapselt in ihrem Verantwortungsbereich. Aus strukturierter Kommunikation wird „Du musst…“, „Warum hast du nicht…“ und „Das ist doch dein Bereich“.

Absprache gibt es, wie sie die Holokratie in den Gremien vorsieht. Aber eine Neben-Kultur mit alten Strukturen bleibt erhalten. Es gibt zwar keine fachlichen Führungskräfte oder Abteilungsleiter mehr, aber weiterhin disziplinarische Vorgesetzte, die mit Daumen rauf | Daumen runter entscheiden.

Dabei hatten alle Mitarbeiter doch einen 2-Tageskurs zur Holokratie gemacht, wussten worum es geht. Auch die Führungsebene war davon überzeugt, dass Holokratie der richtige Weg ist.

Nur wurde es nicht gelebt. Oder besser: nicht richtig!

Der 2-Tageskurs war gut, aber eben nicht ausreichend. Es fand kein weiteres Mentoring statt. Und somit versiegten die guten Anfänge im Sande. Ein Klassiker also.

Aber es ist wohl auch eine Frage der Mentalität. In einem ‚ur-deutschen‘ Unternehmen mit wenig Diversität der Kulturen lässt sich so eine neue Art zu denken und zu handeln schwer einführen. Auf meine Frage, ob mein Bekannter sich vorstellen könnte, Holokratie in seinem neuen, multikulturell-geprägten Unternehmen einzuführen, bejahte er das. Es sei zumindest besser vorstellbar, dass es klappen könnte. Auch wenn es aus seiner Sicht nicht nötig sei, da er bereits in seiner Rolle als Manager einen Servant Leadership-Ansatz pflege und sein Team selbstbestimmt arbeite.

Eine weitere Rolle spielt wohl auch die Einstellung vieler Arbeitnehmer, keine Verantwortung tragen zu WOLLEN. Eine Ameise unter vielen. Fleißige Biene anstatt Koenigin im eigenen Stock. Das machte es aus seiner Sicht auch nicht gerade leicht. Verantwortung zu verteilen, ohne dass sie getragen wird, führt zu Chaos. Und damit zu Zorn.

Tue es oder tue es nicht. Es gibt kein Versuchen. - Yoda -

Das ist das Fazit für mich. Ganz oder garnicht. Alles andere wird nicht funktionieren.

Holokratie lässt sich am einfachsten umsetzen, wenn man von Anfang an damit startet. Bei KaiserKoenig wäre das gegeben. Pluspunkte auf meiner Seite. Noch habe ich keine Mitarbeiter.

Es bedarf aber auch einer gewissen Einstellung der Mitarbeiter, eine Art unternehmerisches Denken. Weg von der Arbeiter-Biene, hin zur Koenigin. Sind dann Ex-Freelancer die besseren Angestellten? Möglicherweise! Zumindest haben sie für sich eine Zeitlang entschieden, Verantwortung zu übernehmen für ihr Unternehmen. Großer Pluspunkt.

Zu guter letzt muss Holokratie aber auch als Werkzeug verstanden werden, was man ständig einsetzen muss. Übung macht den Meister. Bis die Macht mit dir ist und es in Fleisch und Blut übergegangen ist. Harte Arbeit, die getan werden muss.

Und man muss der Dunkle Seite widerstehen. Wir wissen alle, wo das sonst hinführt.

Ich denke aber, es lohnt sich, der Holokratie eine Chance zu geben. Auf geht’s.

Viel zu lernen du noch hast!

#holacracy #servantLeadership